Goodbye, Mittelwelle

30. Dezember 2015

Morgen Abend werden die Mittelwellensender des Deutschlandfunks und Antenne Saar vom Saarländischen Rundfunk abgeschaltet. Damit endet ein Stück deutscher Radiogeschichte. Zahlreiche Sondersendungen wurden in den vergangenen Tagen und Wochen ausgestrahlt, hier eine kleine Sammlung:

Das Ende der Mittelwelle (WDR)
Der gefürchtete Wellensalat ist Geschichte (Deutschlandfunk)
Von singenden Teekesseln und kalten Kriegern

Seit einigen Wochen wird auf den Mittelwellenfrequenzen des Deutschlandfunks kurz vor den Nachrichten folgender Hinweis ausgestrahlt (Danke an Andreas Knedlik):

Etwa 10 Minuten vor der geplanten Abschaltung morgen um 23.55 Uhr strahlt der Deutschlandfunk auf seinen Mittelwellenfrequenzen alte Pausenzeichen aus. Der eine oder andere wird sich vielleicht noch daran erinnern.

Neben DLF und SR schaltet auch RTL seine Mittelwelle ab, die Abschaltung soll planmäßig am 01.01.2016 um 1.00 Uhr stattfinden. Damit verschwindet neben der alten „Europwelle Saar“ (1422 kHz) ein weiterer Großsender (1440 kHz), der in den 1970er und 1980er Jahren mit einfachsten Mitteln in ganz Europa zu empfangen war. Der Saarländische Rundfunk plant seine Sender schnell abzureißen (1. Quartal 2016), vermutlich werden Deutschlandfunk (Media Broadcast) und RTL nicht lange damit warten.

Auch in Frankreich verschwinden Mittelwellensender von der Skala: laut dem Medienmagazin von radioeins verlassen France Bleu und Radio France das Band. Im Januar folgen dann Sender in Tschechien (Quelle: radioeins Medienmagazin).

Schon jetzt ist das Mittelwellenband zumindest tagsüber ziemlich leergefegt. Ich bin gespannt welche Sender Mitte 2016 (wenn die Ausbreitungsbedingungen am schlechtesten sind) überhaupt noch mit einfachen Mitteln gehört werden können. Ich habe die Mittelwelle trotz UKW und Internet immer mal wieder genutzt, hier primär um den Deutschlandfunk abseits der UKW-Versorgung hören zu können.

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Neuer Empfänger: ALBRECHT DR 70

8. Dezember 2015

Ich suche schon seit einiger Zeit einen kompakten Empfänger mit möglichst guten UKW-Empfangsleistungen und schnellem RDS. Im Mysnip-Radioforum bin ich dann auf den ALBRECHT DR 70 gestoßen. Mit einer verlängerten Stabantenne soll der Empfänger zur Hochform auflaufen. Zusätzlich ist noch DAB an Bord. Ich habe mir das Gerät kurzerhand besorgt.


Das ALBRECHT DR 70 ist ein kompaktes Gerät, die Bedienung ist selbsterklärend. Im UKW-Betrieb zeigt es neben der Frequenz den Sendernamen, PTY-Code und Radiotext an, im DAB-Betrieb zusätzlich noch die Gesamtzahl der empfangenen Sender und welchen Sender ich gerade höre (hier z.B. Sender 18 von 22 bzw. Sender 6 im aktuellen [WDR-] Paket).


Das Display lässt sich abschalten um die Batterien zu schonen. Darüber hinaus gibt es diverse Einstellungsmöglichkeiten (Farben, Sprache, Weckfunktion etc.) und an der Geräteseite eine zuschaltbare Taschenlampe.


Zum Empfang: ich habe mir parallel mit dem Gerät eine längere Teleskopantenne bestellt. Die gekaufte Antenne verlinke ich nicht, da sie nicht zu 100% zum Radio passt (sie ist etwas zu groß). Ich konnte sie trotzdem montieren und sie funktioniert.


DAB: der Empfang ist unterirdisch. Indoor habe ich sowohl mit 5C als auch 11D je nach Antennenausrichtung Aussetzer. Auch etwas exponiert empfängt das Gerät nur 5C und das WDR-Paket. Auch ist nur ein kompletter Suchlauf möglich, man kann keine Kanäle manuell anwählen. Mit meinem Dual DAB4 empfange ich da schon etwas mehr. Das kann aber auch an der zu langen Antenne liegen.


UKW: „Hochform“ ist nicht übertrieben. Das Gerät ist natürlich nicht mit meinem modifizierten Roadstar oder den Autoradios an der Yagi-Antenne vergleichbar, die Empfänge sind aber recht ordentlich. Einige Frequenzen von den Standorten Langenberg, Olsberg und Nordhelle lassen sich mit RDS empfangen hier in der Osnabrücker Nordoststadt empfangen, Brocken, Hoher Meißner oder Biedenkopf/Sackpfeife sind streckenweise gut hörbar.


Auch klassische Kampfkoordinierungen (Schleptruper Egge vs. Langenberg auf 96,4/96,5 bzw 103,3/103,4) trennt das Gerät sauber, auf beiden Frequenzen lassen sich die Programme einwandfrei empfangen. Der PTY-Code wird relativ schnell angezeigt und hilft so bei der Identifizierung schwacher Sender. Mit etwas Tropo-Unterstützung sind auch weiter entfernte Sender mit RDS empfangbar:


Einen Bug habe ich entdeckt: 0,3 MHz oberhalb stark einfallender Sender gibt es bei ungünstiger Antennenausrichtung Geistersignale.

Fazit: der ALBRECHT DR 70 ist mit verlängerter Antenne ein empfangsstarkes und gleichzeitig kompaktes Radio. Sehr interessant für Reisen auf denen man kein großes Radio mitnehmen kann und sich trotzdem ein relativ vollständiges Bild vom lokalen UKW-Band machen möchte.